Tragfähigkeit von Musikinstrumenten
Projektleiter: Dipl.-Phys.. Gunter
Ziegenhals
Projektabschluss: September 2005
Die Zielstellung des Projektes bestand in der Objektivierung der Eigenschaft Tragfähigkeit von Musikinstrumenten. Die analytische Beschreibung des Phänomens soll helfen, die Tragfähigkeit gezielt zu beeinflussen. Die Realisierung dieser Zielstellungen erfolgte mit vier wesentlichen Arbeitsschritten:
Aufgrund der vom Musiker im
normalen Spielbereich erzeugbaren Schallleistungen und unter
Beachtung der durch die Spielposition eines Solisten entstehenden
Schallausbreitungsvorteile gegenüber dem Orchester ist es mit
allen gängigen Orchesterinstrumenten problemlos möglich sich
über das Orchester zu erheben, wenn das Orchester zwei
Dynamikstufen unter dem Solisten spielt. Die typische Kombination
ist dabei Orchester im piano, Solist im forte.
Diese Kombination findet sich auch in den allermeisten Passagen
der von uns betrachteten Partituren. Die Metallblasinstrumente
können das auch bei nur einer Dynamikstufe Unterschied
erreichen.
Insgesamt muss man einschätzen, dass mit den vorgenommenen
eigenen Konzertaufnahmen unter definierten Bedingungen ein
äußerst wertvoller Datenbestand gewonnen wurde, der auch
weiterhin für Untersuchungen zur Verfügung steht und genutzt
werden wird. In allen aufgezeichneten Konzerten ist das Orchester
der Vogtlandphilharmonie Greiz Reichenbach das begleitende
Orchester. Dies hat zwar zum einen den Nachteil, dass keine
Variationsbreite hinsichtlich der Auffassung des Orchesters
besteht, hingegen andererseits eine hervorragende
Vergleichbarkeit hinsichtlich Solist und ggf. auch
Aufführungsraum gegeben ist!
Diese Aussagen der Experimente und Befragungen führen zu dem
Schluss, dass man unter Tragfähigkeit offensichtlich zwei Dinge
versteht: Die Tragfähigkeit im weiteren Sinne als Wahrnehmbarkeit
des Solisten und die Tragfähigkeit im engeren Sinne als
klangliche Hervorhebung, als Strahlkraft des
Solisten. Für beide Teileigenschaften werden jeweils
Definitionen formuliert.
Die Wahrnehmbarkeit wird vorrangig durch die Schallleistung der
Instrumente und ihre Richtcharakteristik bestimmt. Sie kann durch
die Partituren und das Verhalten von Dirigent und
Orchestermusikern beeinflusst werden, was auch in der Regel
praktiziert wird. Es ist eine Eigenschaft, die vorrangig von
Instrumententyp bestimmt wird und über die konkrete
Bauausführung nur relativ gering beeinflusst werden kann. Die
Strahlkraft der Instrumente hängt natürlich auch vom
Instrumententyp ab, kann aber innerhalb des Typs deutlich durch
die Bauart gesteigert bzw. verringert werden.
Beide Merkmalsausprägungen lassen sich über die Analyse
definierter Einzelanspiele für alle Instrumententypen im
Vergleich innerhalb des Instrumententyps beurteilen. Für Zupf-
und Streichinstrumente liefert darüber hinaus auch die
Frequenzkurve entsprechenden Aussagen. Eine praktische
Realisierung der Beurteilung ist aber erst dann möglich, wenn
hinreichend viele Messungen zu den einzelnen Instrumententypen
hinsichtlich ihren konkreten Schallleistung im Sinne von
Mittelwert des Typs und Streubreite und hinsichtlich der
Ausprägung der für die Strahlkraft verantwortlichen Formanten
vorliegen.
Das Forschungsprojekt wurde aus Haushaltmitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. (AiF) gefördert.
Veröffentlichung zum
Projekt:
Ziegenhals, G.:
Zur Tragfähigkeit von Musikinstrumenten Fortschritte der
Akustik DAGA 2007